Bevor du fährst
Ist Bosnien sicher? Eine praktische Antwort
Die kurze Antwort ist ja, für die weit überwiegende Mehrheit der Reisenden. Die längere Antwort behandelt die konkreten Dinge, die zu wissen sich lohnt.
Das Gesamtbild
Bosnien und Herzegowina ist nach gewöhnlichen europäischen Maßstäben ein sicheres Reiseland. Gewaltkriminalität gegen Besucher ist selten, die touristischen Gebiete von Sarajevo, Mostar, Banja Luka und den Nationalparks sind an ausländische Besucher gewöhnt, und der Alltag auf Reisen hier ähnelt eher einem Besuch in Kroatien oder Slowenien als etwas Exotischerem. Die schwierige jüngere Geschichte des Landes, vor allem der Krieg der 1990er Jahre, ist an Denkmälern, beschädigten Gebäuden und in Museen sichtbar, ist aber Geschichte und kein anhaltendes Risiko für Reisende.
Trotzdem laufen Sicherheitsfragen zu Bosnien meist auf eine Handvoll konkreter Themen hinaus, und es lohnt sich, jedes davon präzise zu behandeln, statt eine einzige pauschale Beruhigung zu geben.
Städte und Orte bei Nacht
Sarajevo, Mostar, Banja Luka und Trebinje sind allesamt abends angenehm zu Fuß zu erkunden, einschließlich der Altstadtviertel, die den Hauptreiz für Besucher ausmachen. Bascarsija in Sarajevo bleibt bis spät in den Abend lebendig und gut beleuchtet, ähnlich verhält es sich mit den zentralen Plätzen der anderen großen Städte. Wie überall gilt gewöhnliche Vorsicht: beleuchtete Straßen bevorzugen, in belebten Bereichen auf die eigenen Sachen achten und unbekannte Seitenstraßen so behandeln wie in jeder anderen Stadt, die du nicht kennst.
Kleinere Orte und Dörfer sind eher noch ruhiger und risikoärmer als die Städte, einfach weil nach Einbruch der Dunkelheit weniger Fußgängerverkehr herrscht und jeder jeden kennt.

Autofahren
Die größte praktische Sicherheitsfrage für die meisten Besucher betrifft nicht Kriminalität, sondern das Straßennetz. Bosnien ist bergig, viele Hauptstraßen sind zweispurig und winden sich durch Pässe, und Überholmanöver lokaler Fahrer können aggressiv wirken. Winterfahrten in höheren Lagen erfordern Winterreifen und Aufmerksamkeit für Schnee und Eis, und Nebel ist im Herbst und Winter in Tälern wie dem von Sarajevo häufig. Fahr tagsüber vorsichtig, plane mehr Zeit ein als eine Karte vermuten lässt, und überhole nur, wenn die Sicht wirklich frei ist.
Minenreste
Aus dem Krieg der 1990er Jahre sind in Teilen des Landes noch Minenfelder vorhanden, vor allem in ländlichen Gebieten abseits markierter Wege. Praktisch bedeutet das: Auf markierten Wanderwegen und in touristisch erschlossenen Gebieten bist du sicher. Verlasse markierte Pfade in der Landschaft nicht, besonders nicht in Regionen, die im Krieg an der Frontlinie lagen, und ignoriere keine Warnschilder mit dem roten Totenkopf-Symbol. Für organisierte Wanderungen in abgelegeneren Gebieten empfiehlt sich ortskundige Begleitung.
Alleinreisen
Alleinreisende, auch Frauen, bereisen Bosnien regelmäßig ohne besondere Vorfälle. Die üblichen Vorsichtsmaßnahmen gelten: nachts belebte Bereiche bevorzugen, Ankunftszeiten an Unterkünfte weitergeben und beim Trampen oder informellen Mitfahrgelegenheiten dieselbe Zurückhaltung zeigen wie anderswo auch. Öffentliche Verkehrsmittel und organisierte Fahrdienste sind in allen größeren Städten zuverlässig verfügbar.
Häufige Betrugsmaschen
- Überhöhte Taxipreise ohne Taxameter, besonders an Bahnhöfen und Grenzübergängen. Auf ein Taxameter bestehen oder den Preis vorab klären.
- Inoffizielle Wechselstuben mit ungünstigen Kursen abseits der Haupteinkaufsstraßen. Banken oder etablierte Wechselstuben bevorzugen.
- Überteuerte Souvenirs in stark frequentierten Bereichen der Altstädte, was eher ärgerlich als gefährlich ist.
Größere Betrugsfälle gegen Touristen sind selten, die genannten Punkte betreffen eher den Geldbeutel als die persönliche Sicherheit.
Grenzgebiete und politische Struktur
Bosnien besteht aus zwei Entitäten, der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska, mit dem Sonderbezirk Brčko dazwischen. Für Reisende ist dieser Umstand vor allem verwaltungstechnisch spürbar, etwa an manchmal wechselnden Autokennzeichen oder Sprachschildern, hat aber keine praktischen Auswirkungen auf die Sicherheit beim Reisen zwischen den Gebieten.
Gesundheit und Notfälle
Krankenhäuser in Sarajevo, Mostar und Banja Luka bieten eine solide Grundversorgung, in ländlichen Gebieten ist die medizinische Infrastruktur dünner. Eine Auslandsreisekrankenversicherung ist empfehlenswert, insbesondere wenn Wandern oder Skifahren zur Reise gehören. Leitungswasser ist in den meisten Städten unbedenklich.
Fazit
Für die meisten Reisenden bleibt Bosnien ein unkompliziertes und sicheres Ziel. Die wenigen Punkte, die wirklich Aufmerksamkeit verdienen, nämlich Bergstraßen, Minenreste abseits markierter Wege und die üblichen kleinen Betrugsmaschen, lassen sich mit gewöhnlicher Vorsicht handhaben, nicht mit besonderer Sorge.
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